Chronik
Verein zur Förderung und Erhaltung der Volksschule sowie der Kinder- und Jugenderziehung in Lölling Home Unsere Schule Spielgruppe Unser Verein vitalis-Gesundheitszentrum Marktplatz Links
Geschichte der Volksschule Lölling Nachdem in der Regierungszeit der Kaiserin Maria Theresia und der Regierungszeit unter Kaiser Josef II.  das Volksschulwesen organisiert worden war, sind in den größeren Nachbargemeinden, z.B. in Althofen, die  dort schon vorhanden gewesenen Schulen (Privat- oder Bürgerspitalschule) in eine öffentliche Pfarrschule  umgewandelt worden.  Im Jahr 1828  wurde in Lölling von den  Gewerken Dickmann  die Volksschule gegründet und der  Unterricht mit einer Klasse aufgenommen. Mit der Einführung des Reichsvolksschulgesetzes im Jahre 1869 und der daraus resultierenden  “allgemeinen Schulpflicht” vom sechsten bis zum vierzehnten Lebensjahr wurden die eigentlichen Volks-  schulen errichtet. So auch in Lölling.  Die Schulaufsicht übte der konstituierte “Ortsschulrat” aus, der in freier Wahl gewählt wurde. Die Orts-  schulräte haben zur Hebung der Schule viel getan. Es wurde auch sparsamst und gewirtschaftet, wie aus  einigen Protokollen aus jener Zeit auch hervorgeht. Die Bevölkerung wirkte, soweit es möglich war tatkräftig  mit. Die Volksschule Lölling war damals, von 1828 bis 1874, im Untergeschoß des  Mesnerhauses (Lölling Nr. 34) untergebracht. Die Schule war Einklassig.  Vom großen Kirchplatz aus war der ebenerdig befindliche Klassenraum erreichbar.  Zwischen Haustür und Klassenraum war ein kleiner Windfang angeordnet. Ein  Lehrmittel- bzw. Lehrerraum befand sich im nordwestlichen Bereich. Anschließend daran  befand sich der Trockenabort, erreichbar von einem Zwischenflur aus. Die großen  Fenster an der Ost-, Süd-, und Westseite, sowie die große und hohe Eingangstür sind  noch jetzt die sichtbaren Zeichen der einklassigen Volksschule. Der Grundstein für das eigentliche, heute noch bestehende  Volksschulgebäude wurde am 6. Juli 1873 gelegt. Im Herbst des Jahres  1874 war das neue Schulhaus fertig gestellt. Die Chronik der Pfarre  Lölling enthält folgende Zeilen:   Eine kirchliche Weihe war nicht erwünscht. Da in zwei Klassen unterrichtet wurde, aber nur für ein Klassenzimmer ein Kreuz vorhanden war, spendete der Pfarrer (Karl Kramer) ein Christusbild. Volksbewegung:     Geburten: 40,   Sterbefälle: 52,   Trauungen: 4,   Seelenzahl:  1178. Durch 10 Jahre hindurch wurde die Schule zweiklassig und ab 2.1.1884 dreiklassig geführt. Im Erdgeschoß  des Schulgebäudes war immer eine Lehrerwohnung vorhanden.   In den dreißiger Jahren wurde eine vierte Schulklasse eröffnet. Diese befand sich im  Gemeindeamtsgebäude (Lölling-Graben Nr. 17). Der kleine und niedrige Raum lag an der Ostseite des  Gebäudes.  Die Einrichtung und Ausstattung der Klassenzimmer war sehr einfach. Die langen Schulbänke, Lehrerpult  und Schulschrank bildeten die Möblierung. An den Wänden einige Bilder, Öfen mit Holz als Brennstoff, die  große Rechenmaschine mit Kugeln an den Stangen waren weitere Ausstattungsmerkmale. In den meist  hölzernen oder blechernen Schultaschen oder in kleinen Rucksäcken befanden sich die wenigen  Schulsachen der Kinder wie: Schiefertafel, Griffelkasten, Schwamm und Putztuch. Später kamen einige  Schreibhefte und das Religionsbuch dazu. Die Fußböden waren mit einem Standöl eingelassen.  Hausschuhe gab es nicht. Bücher und Hefte gab es lange Zeit hindurch gratis.  In diesem Zusammenhang ist ein Erlass des k. k. Bezirkschulrates St. Veit interessant.: “Der k. k. Bezirksschulrat eröffnet mit Zuschrift vom 24. November 1899 Zl. 3145 den Erlaß des k. k. Landesschulrates vom 9.  November 1898 Z. 3069 betreffs Armenbücher und Armenrequisiten und sendet diesbezügliche Fragebogen zur Ausfolgung und  Vorlage bis Ende 1900”. In den Fünfzigerjahren bis in die Mitte der Sechzigerjahre besuchten oft  mehr als 150 Schüler die Volksschule Lölling. In den Jahren um 1955 wurde die Volksschule generalsaniert. Die  Trockenaborte wurden durch WC ersetzt, Handwaschbecken wurden  installiert, die Fußböden erneuert, ebenso die Türen. Alle Räumlichkeiten  wurden mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet.  Große Aufregung gab es im Jahre 1971. Im Zusammenhang mit der  Gemeindeauflösung sollte auch die Volksschule aufgelassen werden.  Laut einer Resolution vom 1.09.1971 an die Bezirkshauptmannschaft St.  Veit/Glan hat sich der Gemeinderat einstimmig für die Erhaltung der  damals zweiklassig geführten Volksschule eingesetzt. Die Resolution  war unterzeichnet von: Bürgermeister Köfl, Vizebürgermeister Fritz Neubauer, Vorstandsmitglied Johann  Sollbauer. Erfolg hatte sich eingestellt, die Volksschule Lölling blieb erhalten.  Im Jahr 2005 sank in Lölling die Schülerzahl unter 20. Das bedeutete, dass die Schule ab 1. September  2005 als Expositurklasse der VS 1 Hüttenberg geführt wurde.  Bereits im Dezember 2009  verdichten sich die Vermutungen, dass die Gemeinde  die Schließung der  Volksschule Lölling ernsthaft in Erwägung  zieht.  Der Bauer Erwin Krametter  lädt  einen engen Kreis zur Aussprache über die Lage ein.  Teilnehmer: Erwin Krametter, seine Gattin Barbara Krametter, Walter Lichtenegger (Vzbgm) , seine Gattin Siegrid Lichtenegger , Andreas Diex (Gemeinderat), Wolfgang Diex (Obmann der Dorfgemeinschaft) seine Gattin Elisabeth Diex, Hertha Velik- Tomazevic, Ferdinand Velik.  Es wird beschlossen den "Verein zur Erhaltung der Volksschule sowie Förderung der Kinder- und  Jugenderziehung in Lölling" zu gründen, damit man den Elternwunsch, die Volksschule zu erhalten,  stärker zum Durchbruch verhelfen könne. Ende Jänner 2010 beginnt  der Verein durch den Nicht-  untersagungsbescheid der Bezirkshauptmannschaft  mit seiner Tätigkeit.  Zur Gründungsversammlung kommen über 100 Personen und 187 Personen lassen sich als Mitglieder  eintragen - darunter viele Löllinger, die längst ausgewandert sind, aber noch einen starken Bezug zum  Heimatort haben. Es wurde folgender  Vorstand gewählt:  Obmann: Erwin Krametter,  Bauer           Kooptiert: Hertha Velik- Tomazevic, Schulinspektorin Obmannstvtr: Walter Neugebauer, Gastwirt  Ferdinand Velik, Unternehmer  Obmannstvtr: Wolfgang   Diex, Lokführer  Walter Lichtenegger, Angestellter Schriftführerin:  Barbara Krametter, Hausfrau        Andreas Diex,  ÖBB- Beamter  Kassierin:  Cornelia  Lauchart, Gastwirtin  Hannes Schwinger, Angestellter  Stvtr. Kass.:  Ingrid Kramer, Pensionistin Kassenprüfer:  Markus Leitner,  Forstdirektor  Manfred Bischof, Feuerwehrhauptmann   Am  26.03 2010 verkündet Bürgermeister Offner anlässlich einer Gemeinderatssitzung: "Das Land wird die  Zustimmung zur Weiterführung der Schule nicht erteilen."  Der Negativbescheid des Landes kommt am  5.5.2011 und somit der definitive Beschluss zur Schließung der Volksschule. Das noch laufende Schuljahr  wird regulär mit Schulschluss und Ferienbeginn im Schulgebäude beendet.  Der Verein, der inzwischen alle Vorbereitungen trifft, den Schulstandort zu retten, beginnt Verhandlungen  mit der Gemeinde zu führen mit dem Ziel, das Schulgebäude anzumieten. Die Verhandlungen scheitern  endgültig am 20.08.2010. Die Situation scheint ausweglos zu sein und der Druck, die Kinder  nach  Hüttenberg fahren zu müssen wächst.  Am 22.08 2010 erklärt sich die Eigentümerin des Jagdschlosses Lölling,  Frau Trudy Derksen bereit, das Nebengebäude des Jagdschlosses als  Standort für den Unterricht der Löllinger Volksschüler und die Spielegruppe  zur Verfügung zu stellen.  Die Eltern adaptieren in freiwilliger Arbeit die Räumlichkeiten, einzelne  Unternehmen ermöglichen durch Sachspenden die Anschaffung der  Ausstattung und Einrichtung. Am 10.9.2010 werden Schulbänke von der  aufgelassenen Volksschule Zell-Winkel/Sele Kot aus der südkärntner  Gemeinde Zell/Sele als Leihgabe nach Lölling gebracht. Und bereits am  13.9.2010 - zeitgleich mit dem Schulbeginn an öffentlichen Volksschulen -  beginnt der Unterricht von 4 Löllinger Volksschülern in der "TRUDY  DERKSEN SCHULE LAND&LEBEN" in Lölling mit Frau Christine Mlinar,  einer ausgezeichnet qualifizierten Volksschullehrerin mit Sonderschul- und  Religionsausbildung.          Anlass auch für ein Fest der Eltern, Gönner und Freunde der Schule, die es übernommen haben, sowohl  die Lehrerin Christina Mlinar, als auch die voll qualifizierte Kindergärtnerin Frau Elisabeth Diex selbst zu  finanzieren - zum Wohle der Löllinger Kinder.  Am 05.05.2011 gibt es ein historisches Treffen im Gebäude der alten Volksschule: Der örtliche Kaufmann  Fritz Pirolt lädt alle Vereine zu einem Gespräch mit Besichtigung der Räumlichkeiten und Zeichnung einer  Benützungsvereinbarung ein, nachdem er davor von der Gemeinde Hüttenberg das Volksschulgebäude  käuflich erworben hat.  Anwesend waren: Volkstanzgruppe - VTG Lölling (Neugebauer, Leikam) , Männergesangsverein - MGV  Lölling (Leo Müller)   Young Voices  (Elisabeth Diex),   Dorfgemeinschaft Lölling (Wolfgang Diex)   Tanzgruppe Lölling (Fritz Pirolt), Turnerinnen,  und  den Verein zur Erhaltung der Volksschule sowie Förderung der Kinder- und Jugenderziehung in Lölling  - VVL  (Erwin Krametter , Ferdinand Velik , Hertha Velik-Tomazevic) Damit haben nicht nur die Volksschüler ihren angestammten Ort wieder, das Gebäude der alten Volksschule  ist Dank der großzügigen Weitsicht des Kaufmanns Fritz Pirolt wieder zum Kulturzentrum des Ortes  geworden.  Das reguläre Schuljahr wurde in "Trudy Derksen Schule Land&Leben" zu  Ende gebracht,   Die Schüler haben die externe Prüfung in St. Veit an der Glan mit  ausgezeichnetem Erfolg bestanden, während die alte / neue Volksschule  in freiwilliger Arbeit der Eltern adaptiert wurde und nunmehr sowohl die  Spielegruppe (8 Kinder) als auch die Volksschüler - 4 an der Zahl -  beherbergt.  Die programmatische Bezeichnung "Land & Leben"  wird beibehalten.  Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass Grundfragen des  gesunden Lebens und der Bezug zum ländlichen Leben im Mittelpunkt  der Erziehung stehen - in einem Schulprogramm das angelehnt ist an  das öffentliche Regelschulwesen, jedoch Elemente der Montessori  Pädagogik ebenso einbindet, wie jene der Waldorfschule Rudolf  Steinerscher Prägung. 
Mesnerhaus 1926 Foto Franz Steftitsch
Text: Willi Steflitsch (aus “Die Geschichte von Lölling” von Josef Müller), Ferdinand Velik, Erwin Krametter